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3Johann: Ein Holzbau nach den neuesten Regeln der Kunst.

Für das Basler Wohnhaus 3Johann wurden innovative Ansätze in Sachen Vorfertigungsgrad, Umsetzung und Energieeffizienz verfolgt. Dass auf dem Areal ein Holzbau realisiert werden soll, hat Bauherrin SBB Immobilien bereits bei der Projektausschreibung als zentrales Kriterium festgelegt.

4. Dezember 2023

Im Interview erläutert Architekt Lorenz Baumann, wieso diese Voraussetzung gut durchdacht ist, welche Faktoren die Projektphase beeinflusst haben und was das Gebäude einzigartig macht.

 

Ihr Architekturbüro hat gemeinsam mit schaerholzbau ag den Gesamtleistungswettbewerb für das Wohnhaus 3Johann für sich entschieden. Warum hat SBB Immobilien Wert auf eine Umsetzung mit Holz gelegt?

Die SBB wollte ausloten, ob man mit Holz günstig bauen kann, um tiefe Mieten zu ermöglichen und trotzdem eine hohe Bauqualität erreichen kann. Unter dem Baugrundstück führt ein Autobahntunnel durch, was hohe Anforderungen an Erbebensicherheit und Gewicht stellt. Der Baustoff Holz eignet sich dafür optimal und ist deutlich leichter als bei einem Massivbau; das war der Hauptgrund, dass SBB Immobilien bereits in der Ausschreibung einen Holzbau vorausgesetzt hat. Zudem interessierte sich SBB Immobilien dafür, ob man mit Holz günstiger bauen kann als in Massivbauweise. Und nicht zuletzt eignete sich die Holzbauweise auch für die Parzellenstruktur und die Mieter:innen-Zielgruppe ausgezeichnet.

 

Ein Holzbau, der nach neusten Regeln der Kunst realisiert wurde. Was bedeutet das beim Projekt 3Johann konkret?

Aussergewöhnlich ist hier sicher der hohe Vorfertigungsgrad im Holzbau. Alle Wände wurden schon mit Fenstern und Fassadenverkleidung vorgefertigt, sodass sie vor Ort nur noch zusammengesetzt werden mussten. Dadurch wurde das Gebäude enorm schnell aufgerichtet und Emissionen gegenüber der Nachbarschaft während der Bauphase massiv reduziert. Bad und Küchen wurden sehr kompakt angeordnet; sämtliche haustechnischen Leitungen, also Heizung, Lüftung und Elektro, sind in einem Schacht verbaut, der direkt an das Bad angegliedert ist. Das Bad wurde als Modulbauweise im Werk vorgefertigt und dann ins Gebäude integriert. Das hat die Präzision hochgehalten und den ganzen Montageablauf beschleunigt.

 

Wohnungen, die nicht nur aussen, sondern auch innen mit viel Holz ausgekleidet sind. Welche Vorteile ergeben sich dabei in Sachen Wohnqualität?

Alle Wohnungen sind mit Massivholzböden aus Schweizer-Esche belegt. Das sind massive, dicke Bretter, also eigentlich Böden wie man sie vor 100 Jahren in die Häuser verbaut hat. Die Böden sind lediglich geölt, offenporig und können dadurch gut atmen. Genauso ist an den Decken, Stützen und Unterzügen Holz sichtbar. Im vorgefertigten Badkörper wurde anstelle von Fliesen eine Kunstharz-Vollkernplatte verbaut, welche die Holzwände vor Feuchtigkeit schützt. Die Holzbauweise erfüllt bei diesem Gebäude auch die erhöhten Schallschutzanforderungen. Holz atmet, absorbiert Feuchtigkeit und hat einen weitaus geringeren Wärmedurchgangskoeffizienten als andere Werkstoffe wie Metall oder Beton. Das alles wirkt sich natürlich sehr angenehm auf das Raumklima aus.

Ebenfalls ein grosses Plus für die Bewohnenden sind die Bahnhofsnähe, der Weitblick nach Westen über das Gleisfeld und in die baumbestandenen Höfe nach Osten. Es ist sehr hell und es gibt viele Querblicke, obwohl die Wohnungen eher klein sind.

Klimaingenieur Dr. Beat Kegel hat für 3Johann ein ausgeklügeltes Heiz- und Lüftungssystem entwickelt. Wie funktioniert das System genau?

Die Energieerzeugung erfolgt über eine Luft-Wärmepumpe gekoppelt mit einem Erdregister unter der Bodenplatte des Gebäudes. Geheizt und gekühlt wird jede Wohnung mit nur einem Klimagerät – ein Konvektor mit vorgeschalteten Ventilatoren – der über der Decke im Bad verbaut ist. Über die Wärmepumpe wird ca. 26 Grad warmes Wasser erzeugt, um im Winter zu heizen, und 20° warmes Wasser, um im Sommer zu kühlen. Die temperierte Luft wird über die Küchenrückwand, eine Brüstung entlang der Fensterfront und über Verbundlüftertüren bei den Schlafzimmern in der Wohnung verteilt. Die verbrauchte Luft wiederum steigt und wird im oberen Bereich über das Bad abgesogen und weggeführt. Zudem versorgt eine Grundlüftung die Wohnungen mit einer minimalen Frischluftmenge.

 

Warum ist das System besonders energieeffizient?

Das System mit dem Heiz- und Kühlkörper über dem Bad ist neuartig und enorm energieeffizient, weil es besonders agil ist und schnell reagieren kann. Wir gehen davon aus, dass sich der Energieverbrauch gegenüber konventionellen Minergie-Bauten um 30-50% reduziert.

 

3Johann hat einen aussergewöhnlichen, kammartigen Grundriss. Warum?

Wenn man die städtebaulichen Gegebenheiten und die vorgegeben Kriterien zum Lärmschutz aufgrund der Gleisnähe berücksichtigt, sind die Möglichkeiten für den Grundriss eingeschränkt. Pro Etage und Treppenhaus gibt es vier Wohnungen und die Wohnungen an den Gleisen müssen so konzipiert sein, dass alle Wohnräume gleisabgewandt natürlich gelüftet werden können. Das wurde mit drei Hofeinschnitten gelöst, wodurch eine Rhythmisierung der Fassade und ein attraktiver Strassenraum geschaffen werden konnte. Die Innenhöfe der Strasse entlang sind mittlerweile üppig bewachsen, in jedem Hof steht ein Tupelo-Baum und es wachsen Kletterpflanzen entlang der Strasse empor. Das bringt optisch viel Abwechslung und Licht. Zudem ist der Zwischenraum auf der Südseite zur Zollhalle nicht verbaut und die Fläche zu den Gleisen offen, wo mit der Zeit ein öffentlicher Raum mit Verbindung zu einem künftigen Gleisuferweg entstehen soll.

 

Wie war die Zusammenarbeit mit SBB Immobilien als Bauherrin?

Der Gesamtprojektleiter der SBB Immobilien ist selbst Holzbauingenieur und brachte fundierte Erfahrung im Bau mit Holz mit. Er war sehr engagiert und die Zusammenarbeit war deshalb ausserordentlich konstruktiv und angenehm.

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