Im Tessin wird die Zukunft gewartet.
In Arbedo-Castione nimmt eines der bedeutendsten SBB Projekte südlich der Alpen Gestalt an. Auf einer Fläche von insgesamt 62 000 Quadratmetern entsteht das neue Industriegebäude für die Bahninstandhaltung.
Das neue Zentrum bündelt künftig Arbeiten, die heute auf verschiedene Standorte verteilt sind. Hier wird das Rollmaterial instandgehalten, Komponenten revidiert und Züge gereinigt. Gleichzeitig dient der Standort als Zugdepot. Die Kombination all dieser Aufgaben an einem Ort ist innerhalb der SBB schweizweit einzigartig und ermöglicht effizientere Abläufe sowie wertvolle Synergien.
Künftig werden hier rund 360 Mitarbeitende und 80 Lernende tätig sein. Das Zentrum wird stark digitalisiert und so ausgelegt, dass es flexibel auf zukünftige Fahrzeugflotten und veränderte Anforderungen reagieren kann. Mit einer Länge von 370 Metern und einem Gebäudevolumen von rund 850 000 Kubikmetern sind auch die Dimensionen aussergewöhnlich.
Alle Projektbeteiligten, ob SBB Mitarbeitende oder externe Partner, wissen um die Bedeutung dieses Projekts für die Entwicklung des Kantons Tessin und für die Schweiz. Mit ihrem grossen Engagement und ihrer Leidenschaft arbeiten sie gemeinsam darauf hin, unser Ziel für 2028 zu erreichen.
Der Eiffelturm des Tessins.
Seit Sommer 2025 laufen die Hauptarbeiten am neuen Industriegebäude. Gebaut wird an mehreren Abschnitten gleichzeitig. Priorität hat der nördliche Gebäudeteil, in dem unter anderem die Logistik und die Wärmezentrale untergebracht werden. Von dort wächst die Metallkonstruktion schrittweise Richtung Süden. Parallel dazu laufen Arbeiten an Untergeschossen, Fundamenten und der künftigen Zugwaschanlage.
Bis Juli 2026 wurden rund 27 000 Kubikmeter Beton und 3000 Tonnen Stahl verbaut sein Das entspricht etwa 60 Prozent der vorgesehenen Betonmenge und rund 40 Prozent der geplanten Stahlkonstruktion. Ist das Gebäude fertiggestellt, wird das Gewicht des verbauten Stahls ungefähr dem gesamten Stahlgewicht des Eiffelturms entsprechen.
Auch rund um das Gebäude verändert sich die Bahninfrastruktur. Für den Betrieb entstehen insgesamt fast zehn Kilometer neue oder erneuerte Gleise sowie sieben Abstellgleise für Regionalzüge. Der nur wenige Meter entfernte Bahnhof Castione – Arbedo wird zudem um ein viertes Gleis erweitert. Dieses soll Ende 2026 in Betrieb gehen und sowohl den Verkehr auf der wichtigen Nord-Süd-Achse als auch die Zufahrt zum neuen Instandhaltungszentrum unterstützen.
Der Bau des neuen Zentrums ist nur ein Teil der Veränderung. Parallel dazu wird bereits der künftige Betrieb vorbereitet und die Mitarbeitenden werden für die neuen Aufgaben geschult. Denn die Instandhaltung von Zügen wandelt sich: Neben klassischer Mechanik spielen Elektronik und digitale Systeme eine immer wichtigere Rolle.
Die grösste SBB Solaranlage der Schweiz.
Bei einem jährlichen Stromverbrauch von rund 19 600 Megawattstunden spielt die Energieversorgung des neuen Instandhaltungszentrums eine zentrale Rolle. Deshalb werden auf den geneigten Dachflächen rund 7300 Solarmodule installiert. Sie produzieren jährlich etwa 3273 Megawattstunden Solarstrom, was dem Stromverbrauch von rund 900 Haushalten entspricht.
Der erzeugte Strom wird fast vollständig vor Ort genutzt: Rund 93 Prozent fliessen direkt in den Betrieb des Instandhaltungszentrums und decken damit etwa 16 Prozent seines gesamten Strombedarfs. Mit dieser Leistung entsteht die grösste Photovoltaikanlage der SBB in der Schweiz.
Auch über die Energieversorgung hinaus spielt Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle: Eine Holzschnitzelheizung sorgt für Wärme ohne fossile Brennstoffe, die flachen Dachbereiche werden begrünt. In der Auenlandschaft des Tessins entstehen zudem Feuchtgebiete, und der eingedolte Bach Moliègh wird offengelegt und revitalisiert – als ökologische Verbindung zum Fluss.
Ich freue mich sehr, am Projekt NIFS Castione mitzuwirken. Gemeinsam mit dem Projektteam schaffen wir einen konkreten Mehrwert durch vorausschauendes Facility Management, um den langfristigen Werterhalt und den gesamten Lebenszyklus dieses bedeutenden Bauwerks sicherzustellen.
In meiner Rolle setze ich mich dafür ein, nachhaltige Lösungen zu entwickeln und umzusetzen. Dazu gehören beispielsweise die Holzschnitzelheizung und die Photovoltaikanlage, die einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, das Projekt aus ökologischer Sicht nachhaltig und zukunftsfähig zu gestalten.
Die Zukunft zieht ein.
Bis das neue Zentrum vollständig zum Arbeitsalltag gehört, bleibt noch einiges zu tun. Die Schlussabnahme des Gebäudes ist für das Frühjahr 2028 vorgesehen. Ab Mitte 2028 beginnt der schrittweise Umzug aus Bellinzona. Während der Übergangsphase werden das neue Zentrum, die heutigen Officine FFS und die bestehende Serviceanlage parallel betrieben. Ende 2029 soll der Wechsel abgeschlossen sein.
Dann wird aus einer der grössten Baustellen der SBB südlich der Alpen ein neuer zentraler Ort für die Bahninstandhaltung im Tessin – für heutige Flotten ebenso wie für die Anforderungen der kommenden Jahrzehnte.