Bausubstanz erhalten

Werkstadt Zürich: Aus alt mach neu.

Das Areal der ehemaligen SBB Werkstätten befindet sich in Transformation. Wichtiger Bestanteil ist dabei die Synergie zwischen der identitätsstiftenden, historischen Bausubstanz, der öffentlichen Nutzung der Aussenräume sowie der möglichen baulichen Verdichtung.

24. Februar 2022

Die Entwicklung erfolgt in mehreren Etappen, die das Areal mit behutsamen baulichen Massnahmen auf neue Nutzungen vorbereitet und als Stadtraum mit dem angrenzenden Quartier verbindet. Mit dem Projekt Werkstadt Zürich bietet sich die Möglichkeit, eine nachhaltige Mischung aus klassischem und innovativem Gewerbe, Dienstleistungs- und Freizeitangebot direkt in Zürich zu etablieren. Spannend auch, dass die in die Peripherie verdrängte urbane Produktion so erneut einen Platz im städtischen Gefüge findet.

Eine Schlüsselposition nimmt das denkmalgeschützte Gebäude Q (Baujahr 1911) ein, dessen Gesamtsanierung zurzeit läuft. Es besteht aus einer eindrücklichen Halle und einem zweigeschossigen Kopfbau. Das rund 116 Meter lange, 85 Meter tiefe und 8 Meter hohe Gebäude diente als Wagenwerkstatt.

Die vorhandenen räumlichen Eigenschaften des Gebäudes werden grundsätzlich erhalten und so konzipiert, dass das Gebäude in seinen imposanten Abmessungen in allen drei Dimensionen wahrnehmbar bleibt. Mit dem Grundausbau wird die Halle neu organisiert und in vier Quadranten sowie eine offene, in der Mitte liegende Energiezentrale aufgeteilt. Zur Ausbildung dieses dreigeschossigen Herzstücks, der angrenzenden 100 Meter langen Galerie und der Zwischenböden innerhalb der Quadranten kommen ausgediente SBB-Fahrleitungsmasten als Stahlgerüst zum Einsatz. Ein Beispiel für die Wiederverwertung von Materialien im Sinne der Kreislaufwirtschaft. Auch andere Bauteile wie Stahltreppen, Gitterroste, Balken, Holzverschnitt oder Leuchten werden aufbereitet und weiterverwendet. Die baulichen Eingriffe berücksichtigen die Qualitäten des Bestandes und machen sie fit für eine auf lange Sicht flexible Nutzung. So entsteht eine zukunftsweisende Koexistenz von Alt und Neu.

 

Kurz nachgefragt bei Tobias Mocka aus dem Projektteam der Baubüro in situ AG

 

Bei der Gesamtsanierung werden u.a. alte Fahrleitungsmasten eingesetzt. Wie kam es dazu?

Die baubüro in situ AG setzt sich seit Längerem vertieft mit der Wiederverwendung von Bauteilen, resp. dem zirkularen Bauen auseinander. Über Florian Koch von SBB-Resale sind wir auf die Fahrleitungsmasten als potenzielle Bauteile aufmerksam geworden. Eine visionäre Vorstellung, dass ausgediente SBB Infrastrukturelemente weiterwandern und sowohl innerhalb als auch ausserhalb des Hochbaus der SBB wieder zur Verwendung kommen.

 

Das Gebäude Q steht unter Denkmalschutz. Was bedeutet dies für die geplante Nutzung?

Die Transformation des Areals wurde bereits seit der ersten Phase eng mit der kantonalen und städtischen Denkmalpflege abgestimmt. Durch die gegenseitige Unterstützung und Sensibilität ist in vielerlei Hinsicht ein sehenswerter Konsens entstanden. Zudem gilt der Grundsatz: Überall dort, wo es möglich ist, sollen ausgebaute Bauteile wieder im Zuge der Sanierung weiterer Gebäuden verbaut werden können. Dies vor allem auch bei Elementen mit denkmalpflegerischem Wert oder einem grossen Anteil an grauer Energie.

 

Kreislaufwirtschaft ist ein Aspekt der Nachhaltigkeit. Wie sieht es beim Gebäude Q mit der Energieversorgung aus?

Die Energieversorgung erfolgt soweit wie möglich aus erneuerbaren Energien. So verfügen jeweils Gebäudegruppen auf dem Areal über eigene Energiezentralen, welche wiederum miteinander vernetzt sind. Diese beziehen beispielsweise Wärme aus dem Grundwasser, Kälte aus Wärmepumpen oder elektrischen Strom aus PV-Modulen. Über die Verbindung der Zentralen durch ein sogenanntes Anergiesystem wird somit Austausch überschüssiger Energie zwischen den Gebäudegruppen möglich.

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